12. September 2013

Ministerpräsident Weil eröffnet Erdgasspeicher Jemgum

Jemgum. Nach rund fünfjähriger Bauzeit nimmt die astora GmbH & Co. KG im niedersächsischen Jemgum einen der leistungsstärksten und größten Kavernenspeicher Deutschlands in Betrieb. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil eröffnete den Speicher heute (12.09.2013) im Rahmen eines Festakts gemeinsam mit Gerhard König, Sprecher der WINGAS-Geschäftsführung, und astora-Geschäftsführer Andreas Renner. Die Speicheranlage wird auch nach der Inbetriebnahme kontinuierlich erweitert. Bis 2018 wird Speicherbetreiber astora insgesamt zehn Kavernen im Salzstock Jemgum errichten. Diese können bis zu einer Milliarde Kubikmeter Erdgas aufnehmen – genügend Kapazität, um mehr als eine halbe Million Haushalte ein Jahr lang mit Erdgas zu versorgen.

Ministerpräsident Stephan Weil betonte im Rahmen der Eröffnung darum auch die besondere energiepolitische Bedeutung des Speicherprojekts: „Niedersachsen ist Deutschlands Energieland Nummer eins“, so Weil. Der neue Speicher in Jemgum bilde für die Zukunft einen weiteren wichtigen Meilenstein. „Denn als wesentlicher Beitrag zur Versorgungssicherheit unterstreicht die Speicheranlage auch die zentrale Bedeutung Niedersachsens als Erdgas-Drehscheibe für Nord-West-Europa. Neben dem Ausgleich der saisonalen Schwankungen beim Erdgasverbrauch zwischen Sommer und Winter bilde der Kavernenspeicher insbesondere im Hinblick auf die zunehmende Energieerzeugung durch die erneuerbaren Energien ein Rückgrat für die Energiewende“, sagte Weil.

Denn anders als Porenspeicher können Kavernenspeicher innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit das gesamte Speichervolumen ein- oder auslagern, da das Erdgas nicht erst lange Wege durch Gestein fließen muss. So können in Jemgum in einer Stunde bis zu eine Million Kubikmeter Erdgas ausgelagert werden. Das gesamte Speichervolumen kann also innerhalb von etwa 1000 Stunden bereitgestellt werden. Bei Porenspeichern dauert dieses meist mehr als doppelt so lange. Diese Eigenschaft macht den Speicher zum attraktiven Partner der erneuerbaren Energien: Können Sonnen- und Windenergie den Strombedarf einmal nicht decken, kann Erdgas aus einem Kavernenspeicher in Verbindung mit Gaskraftwerken die Lastspitzen innerhalb kürzester Zeit ausgleichen.

Zudem ist der Speicher infrastrukturell optimal angebunden an die Fernleitungsnetze der GASCADE Gastransport GmbH sowie der niederländischen Gas Transport Services B.V. (GTS) und gut positioniert, etwa um Erdgas aus der Ostseepipeline Nord Stream zu speichern.

Eigentümer der Speicheranlage sind die WINGAS GmbH mit Sitz in Kassel und die VNG Gasspeicher GmbH in Leipzig. Den Bau und Betrieb des Speichers verantwortet die astora GmbH & Co. KG, ein Tochterunternehmen der WINGAS. Insgesamt investieren die Unternehmen in den Bau der Anlage mehrere hundert Millionen Euro.

Technologisch Maßstäbe gesetzt

Bei der Errichtung des Speichers werden in einem Salzstock in einer Tiefe von 1.150 bis 1.600 Metern künstliche Hohlräume, sogenannte Kavernen, geschaffen. Anschließend pressen Kompressoren das Gas unter hohem Druck in die Hohlräume, so dass es sicher gespeichert werden kann. Die Speicheranlage in Jemgum erlaubt eine ebenso sichere wie flexible Versorgung mit Erdgas. 

Mit dem Erdgasspeicher setzt astora technologisch in mehrfacher Hinsicht Maßstäbe: Ein Beispiel hierfür liefern etwa die zielgenau abgelenkten Bohrungen, die s-förmig in die Tiefe gehen. Mit ihrer Hilfe können bis zu sechs Kavernenbohrungen von einem Sammelplatz aus betrieben werden. Das hat den Vorteil, dass an der Oberfläche so wenig Platz wie möglich beansprucht wird und so Natur und Landschaft geschont werden. Zudem sorgt eine innovative Gasrückverdichtungsanlage für einen nahezu emissionsfreien Betrieb des Speichers.

Auch durch eine enge Zusammenarbeit mit der EWE, die in unmittelbarer Nähe einen eigenen Speicher betreibt, konnten Eingriffe in Natur und Landschaft hinsichtlich der Energieversorgung und des Soletransports langfristig minimiert werden. So wird die in Jemgum anfallende gesättigte Salzlösung, auch Sole genannt, über eine mehr als 40 Kilometer lange Leitung direkt in die Nordsee geleitet, indem ein bereits vorhandenes Teilstück der Erdgasleitung MIDAL genutzt wurde.

Andreas Renner, Geschäftsführer der astora, sieht in der Anlage in Jemgum darum auch einen Hightech-Speicher für höchste Ansprüche und ein wichtiges Element für die künftige strategische Aufstellung des Unternehmens: „Als innovativer Kavernenspeicher ergänzt Jemgum perfekt die vorhandenen Porenspeicher der astora“, so Andreas Renner. „Mit diesem Portfolio haben wir eine ausgezeichnete Basis, um uns auch in Zukunft mit Erfolg als einer der größten Speicherbetreiber in Europa zu positionieren.“


Die astora Gmbh & Co. KG mit Sitz in Kassel zählt zu den größten Erdgasspeicherbetreibern in Europa. Im norddeutschen Rehden verfügt das Unternehmen über den größten Erdgasspeicher Westeuropas – mit einem Volumen von über vier Milliarden Kubikmetern Arbeitsgas. Zudem hält die Speichergesellschaft Kapazitäten am zweitgrößten Speicher Mitteleuropas in Haidach, Österreich. Einer sicheren Versorgung Europas mit Erdgas dient zudem der im September 2013 eröffnete Erdgasspeicher Jemgum an der deutsch-niederländischen Grenze. Weitere Informationen im Internet unter www.astora.de

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